Die Gier nach Geld – die Geschichte der Saline Ulcinj

Wir geben dir hier einen Einblick in die zwielichtigen Machenschaften rund um die Saline Ulcinj. Es ist eine sehr komplexe Geschichte mit geheimen Abmachungen, verdächtigen Verflechtungen, politischem Kalkül und leeren Versprechungen. Mach dich bereit auf einen sehr spannenden Krimi , einen Krimi, der leider wahr ist.

Alles begann im Jahr 2005. Nach knapp 90 Jahren erfolgreicher Salzproduktion wurde der Salinenbetrieb privatisiert. Der neue Betreiber, der Investmentfond Eurofond, kaufte für nur 800.000 Euro 75% der Anteile an der Saline. Eurofond behauptet, durch die Bezahlung der 800.000 Euro nicht nur die Salzabbaugenehmigung, sondern auch das gesamte knapp 15 km2 große Gebiet der Saline gekauft zu haben. Der Besitzer von Eurofond, ein Oligarch namens Veselin Barović, hat seit der Übernahme keine Investitionen in die Saline getätigt und die Saline zu Grunde gewirtschaftet. Bereits 2012, nur 7 Jahre nach der Übernahme durch Barović, hat das Salzproduktionsunternehmen „Bajo Sekulić“ Insolvenz angemeldet. Seitdem wird kein Salz mehr abgebaut.

 

 

 

© Marc Thibault

Zusätzlich zum Stopp der Salzproduktion haben unbekannte Kriminelle die Pumpen zerstört und teilweise sogar entwendet, wodurch die Wasserzirkulation in der Saline nicht mehr sichergestellt werden konnte. Diese ist allerdings wichtig, damit der Wasserstand für die Vögel optimal zum Nisten ist. Als die Vögel dennoch zum Brüten in die Saline kamen, sind Unbekannte in das Brutgebiet eingedrungen und haben hunderte Flamingo-Eier entwendet.

Der Konkursverwalter, vermutlich ein Handlanger Barovićs, hat trotz seiner Pflicht, die Insolvenzmasse in ihrer Substanz zu erhalten, die weitere Degradierung der Saline nicht verhindert.

 

Das hört sich zunächst einmal nach etwas Pech, wenig Engagement und schlechtem Management an. Doch dass hinter dem Vorhang von Missmanagement und Insolvenzanmeldung korrupte Machenschaften und eiskaltes Kalkül stecken, macht dieser Teil der Geschichte deutlich:

 

Seit 2011 versucht Eurofond die Saline gewinnbringend an große Investoren zu verkaufen. Eurofond preist die Saline auf seiner Website als perfekt geeignetes Grundstück für den Bau eines Luxusresorts mit Golfplatz, Spa und Marina an. Als diese Pläne im Dezember 2011 veröffentlicht wurden, brach eine große Protestwelle aus. Dies konnte Eurofond allerdings nicht stoppen: Zuletzt bot der Konkursverwalter die Saline für eine Summe von 150 Millionen Euro zum Verkauf an. Das ist das über 180-fache dessen, was Eurofond für den Erwerb der Saline beziehungsweise den Salinenbetrieb 2004 bezahlt hat.

Doch nicht nur der Versuch die Saline zu verkaufen, lässt Eurofond und den Konkursverwalter in schlechtem Licht erscheinen. Eurofond hat das Salinengelände zusätzlich genutzt, um Bank-Hypotheken im Wert von über 5 Millionen Euro zu erheischen. Jedoch hat Eurofond keinen einzigen Cent dieses Geldes in die Saline investiert. Im Gegenteil: Der Bilanzverlust stieg von 270.000 Euro im Jahr 2005 auf 7,9 Millionen Euro 2013 an! Welche Bank würde wohl einem Investmentfond, bei dem noch nicht einmal geklärt ist, ob er das Gebiet überhaupt besitzt, so viel Geld zur Verfügung stellen?

 

Der Verdacht, dass hier unsaubere Geschäfte betrieben werden, scheint nicht weit hergeholt zu sein.

 

Es ist nicht abschließend geklärt, was im Jahr 2005 genau privatisiert wurde. Die Akteure von Eurofond behaupten, sie hätten nicht nur die Betriebsmittel der Saline und die Konzession zur Salzproduktion erworben, sondern auch die gesamte Fläche. Dagegen spricht, dass der montenegrinische Staat als Eigentümer der Fläche im Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen ist. Ob die Saline dem Staat oder Eurofond gehört, muss der Privatisierungsrat des Staates Montenegro entscheiden. Dieser wird vom Premierminister Markovic geleitet.

Da die Eigentumsfrage noch immer offen ist, haben MSJA und CZIP eine nationale Petition gestartet, die den Vorsitzenden des Privatisierungsrates, den Premierminister, dazu auffordert, hier endlich eine Entscheidung zu fällen.

© CZIP

Film (nur auf Englisch verfügbar): The Saline: In the Net

© Milka Tadic

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